Was wissen wir?

Neville hat ungefähr zur gleichen Zeit wie Harry (etwas später) ebenfalls seine Eltern verloren. Sie wurden durch den Cruciatus-Fluch um den Verstand gebracht und sind heute im St.-Mungo-Hospital für Magische Krankheiten und Verletzungen. Sie erkennen ihren Sohn nicht mehr. Neville lebt seit dem bei seiner Großmutter, besucht seine Eltern aber während seiner Ferien im Hospital.
Nevilles magische Fähigkeiten sind - gelinde gesagt - eine Katastrophe. Er bringt fast alles zum Explodieren oder versagt anderweitig. Überhaupt haben sich seine magischen Fähigkeiten erst sehr spät bei ihm bemerkbar gemacht, nämlich als sein Onkel ihn versehentlich kopfüber aus dem Fenster fallen ließ (Neville prallte vom Boden ab wie ein Gummiball). Er selber hält sich sogar für einen Squib. Bisher hat er nur einmal etwas halbwegs vernünftiges zu stande gebracht und das war unter der sanften Anleitung von Lupin, dem es gelang, Neville seine Angst zu nehmen. Neville hat unglaubliche Angst vor dem Cruciatus-Fluch, weit mehr als Harry vor dem "Avada Kedavra". Und das, obwohl Harry diesen Fluch hautnah miterlebt hat, ebenso wie den dadurch verursachten Tod seiner Eltern.


Was können wir aus all dem folgern?

Neville ist mit Sicherheit kein Squib. Seine magischen Fähigkeiten treten zu Tage, wenn er sich in Lebensgefahr befindet, oder wenn es ihm gelingt, seine Angst zu überwinden.
Warum ist er also scheinbar so unfähig?
Meiner Meinung nach ist das durch einen Schock begründet, den er durch das erlitt, was seinen Eltern widerfuhr. Das Unterbewustsein des Kindes Neville hat quasi die Magie im allgemeinen für den Verlust seiner Eltern verantwortlich gemacht und sich fortan - unbewusst eben - geweigert, diese Magie selber einzusetzen. Das ist so eine Art Übersprungshandlung. Nur wenn sein Unterbewusstsein ausgehebelt wird (durch Lebensgefahr oder Selbstvertrauen), kann er seine Magie auch einsetzen.
Die Theorie, dass mit Neville irgendetwas nicht "normal" ist, wird eben auch durch die Tatsache gestützt, dass er vor dem Cruciatus-Fluch eine solche Angst hat. Jeder fürchtet die Unverzeihlichen Flüche, aber niemand reagiert so heftig darauf: "..., dass Neville die Hände an die Tischplatte geklammert hatte, die Knöchel weiß, die weit aufgerissenen Augen von Grauen erfüllt" beschreibt Neville während Moody-Crouchs Cruciatus-Vorführung. Selbst nach der Schulstunde hat sich Neville noch nicht wieder beruhigt.
Hinzu kommt Nevilles Reaktion auf die Dementoren: Harry reagiert am heftigsten (er wird ohnmächtig), aber Ginny und Neville geht es ebenfalls fruchtbar schlecht, viel schlechter als allen anderen. Bei Ginny wissen wir auch warum: sie war im Jahr zuvor unter Riddles/Voldemorts Bann und wäre fast gestorben. Was hat also Neville erlebt, dass er so extrem auf die Dementoren reagiert? Dass er einfach nur eine Mimose ist, glaube ich nicht (schließlich ist er ja ein Gryffindor, also muss er zumindest ein bisschen mutig sein).
Vielleicht hat er miterleben müssen, wie seine Eltern gefoltert wurden, vielleicht ist es "nur" der Schock, dass ihn die eigenen Eltern nicht mehr wiedererkennen.
Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass Neville eines Tages seine unbewusste Angst überwinden und alle in Erstaunen versetzen wird.

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